Sächsische Zeitung, 15.04.2005

Wie hat er das gemacht?



Magie. Das Zaubern ist eine schwere Kunst.
Wer es trotzdem lernen will, kann sich Unterrichtsstunden in Dresden nehmen.

Mystische Klänge erfüllen den Saal, das Licht wird schwächer und auf die Bühne tritt ein junger Mann. Normen Alexander ist sein Name. Der deutsche Jugendmeister 2005 ist gerade mal 14 Jahre alt. Er ist einer der Künstler, die zur diesjährigen Zaubergala in die Staatsoperette am letzten Sonnabend geladen wurden. Stand nicht vor wenigen Sekunden noch ein Bücherregal neben ihm? Nun ist es eine zwei Meter hohe Standuhr mit korrekter Zeit. Wie hat er das gemacht? Ich bin verblüfft! Dass für solchen Zauber jahrelanges Training Voraussetzung ist, erklärte er mir vor dem Auftritt.
Mit acht Jahren fand er im Keller seines Vaters eine Truhe mit Zauberrequisiten aus vergangenen Tagen. Er nahm sie mit auf sein Zimmer und legte los. Nun ist der Gymnasialschüler aus Heiligenstadt (Thüringen) schon sechs Jahre dabei und gehört zu den besten Nachwuchstalenten der Welt. Trotz des Erfolges steht für ihn die Schule an erster Stelle. Dass dabei nicht viel Zeit für andere Dinge bleibt, stört ihn nicht. So steckt er wöchentlich ungefähr 15 Stunden in sein Hobby. Mittlerweile kann er problemlos eine Flamme aus der Tasche ziehen, oder eine Feder von allein ein Buch schreiben lassen. Doch obwohl alles nur Illusion ist, und ich genau seine Hände beobachte, kann ich nicht entschlüsseln, wie er es macht. Genau das ist das Geheimnis, was uns glauben macht, dass es sich um Magie handelt. Von der Konzeption bis zur Realisierung seiner Show hat es drei Jahre gedauert! Ich muss dazu sagen, dass alles an seinem Auftritt von ihm kreiert und erschaffen wurde. "Viele wissen nicht, dass zum Zaubern mehr gehört, als nur ein paar Tricks zu zeigen", erklärt mir Normen. Die Musik, die technische Umsetzung sowie die Schauspielerei sind wesentliche Dinge, die ein Zauberer beherrschen muss. Unterstützung bekommt Normen durch seine Mentoren. Sie sind "alte Hasen" der Zauberei und helfen ihm bei der Umsetzung seiner Ideen. Einer davon ist Karl-Heinz Kaiser. Selbst ist er Meister der Großillusion und Mitorganisator der Zaubergala 2005. "Normen beschäftigt sich intensiv mit der Zauberei und ist zudem noch sehr kreativ", lobt er seinen Schützling. Beide sind sie Mitglieder des Magischen Zirkels von Deutschland. Um darin aufgenommen zu werden, muss man zunächst eine Aufnahmeprüfung bestehen. Leichter ist es für Interessierte, in den Ortszirkel, dem Magischen Zirkel Dresden, aufgenommen zu werden. "Bedingungen sind ein ernsthaftes Interesse und viel Eigeninitiative", spricht Steffen Taut. Er ist der Vereinsleiter des Magischen Zirkel Dresden e. V. Oberstes Ziel ist die Bewahrung der Zauberkunst in einer sehr guten Qualität. Natürlich gibt es auch ein Schweigegebot für die Mitglieder, welches strikt die Erklärung von Zaubertricks untersagt. Wer sich nicht daran hält, verliert die Mitgliedschaft.

Ralf Schieferdecker


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