Bild München, 05.11.2004

Marvelli zaubert seine Tricks ins Spukschloß



Der vergessene Zauberer Marvelli! Früher begeisterten seine Wunder Deutschland. Heute verstauben sie in einer Lagerhalle.
Seit seiner schweren Krankheit (1992 platzte ihm die Aorta) stand Olaf Marvelli (72) nicht mehr auf der Bühne. Früher ließ er Elefanten verschwinden und Jungfrauen schweben. Seine Zauberkisten sind seither eingemottet bei einem Freund in Niederbayern. Marvelli selbst wohnt am Viktualienmarkt in einer Sozialwohnung für verarmte Künstler.
Jetzt wollen sächsische Zauberer ihrem großen Vorbild Marvelli ein Denkmal errichten: Nächste Woche holen sie mit einem Lastwagen seine Requisiten aus dem Dornröschenschlaf, bringen sie nach Dresden ins Schloß Schönfeld. Dort entsteht derzeit ein Zauber-Museum. Herzstück: die Tricks des großen Marvelli!
"Marvelli war der beste deutsche Sprechzauberer der Nachkriegszeit", schwärmt der Dresdner Zauber-Kollege Karl-Heinz Kaiser (51). "Seine Apperate werden eine Attraktion in unserem Zauberschloß!
Das prächtige Anwesen (gehört der Stadt Dresden) ist, wie es sich für ein Zauberschloß gehört ein echtes Geisterschloß!
Der Heimatpfleger zu BILD: "1728 starb Augusta Constantia im Alter von 20 Jahren an dern schwarzen Pocken, wurde in einer Gruft unter dem Schloß beigesetzt." Doch sie fand keine Ruhe. Die Überlieferung erzählt, das die Tochter von August dem Starken und seiner Mätresse, der Gräfin Cosel, lebendig beerdigt wurde und nachts gegen den Deckel ihres Sarges klopft...
Tocktocktock!
"Eine Prima Umgebung für meine Requisiten", schwärmt der große Mavelli gegenüber BILD. "Ich werde den Kollegen aus Dresden meine Sachen als Dauerleihgabe anvertrauen. Zur Eröffnung meines Museums möchte ich auf alle Fälle eine Nacht im Schloß verbringen. Vielleicht sehe ich ja das Gespenst!"
Tatsächlich soll im Geisterschloß auch ein Standesamt und ein Hochzeits-Zimmer eingerichtet werden. Brautleute können ab nächstem Jahr dort übernachten. Unter einem Dach mit Marvellis Tricks. Und einem echten Schloßgespenst!

Hannes Kohlmaier


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